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Die Geschichte der Ätherischen Öle...

... ist untrennbar mit der Geschichte der gesamten Pflanzenheilkunde verbunden.


Ätherische Öle sind

wunderbare Brücken,

auf denen wir

zwischen den Welten

hin- und hergehen

dürfen.
(Hans-Jürgen Trott-Tschepe)

 
Bereits 3000 vor Christus benutzten die Ägypter aromatische Pflanzen zu medizinischen und kosmetischen Zwecken, sowie zur Einbalsamierung ihrer Verstorbenen.

Hippokrates, der heute noch als Vater der Medizin verehrt wird, führt in seinen Schriften eine Vielzahl von Heilpflanzen an.

Im 10. Jahrhundert hinterließ der arabische Arzt Avicenna wertvolle schriftliche Aufzeichnungen, in denen er über 800 Pflanzen und ihre Wirkung auf den menschlichen Körper beschreibt. Ihm schreibt man auch die Entwicklung des Destillationsverfahrens für ätherische Öle zu. Heute scheint wahrscheinlicher, dass er den Prozess der Destillation nicht erfand , sondern perfektionierte, denn die Archäologen haben primitive Destillierapparate gefunden, die vor seine Lebenszeit zu datieren sind.

Im 12. Jahrhundert wurden die "Wohlgerüche Arabiens" d.h. ätherische Öle in Europa berühmt.

Im 16. Jahrhundert gab es schon umfangreiche Pflanzenbücher und jeder des Lesens Kundige hatte Zugriff zu den Rezepten für Öle, Duftwässer und andere Methoden der Behandlung mit Pflanzen.

Im 17. Jahrhundert schrieb Nicholas Culpeper leidenschaftliche Tiraden gegen die Ärzte, die giftige Stoffe wie z.B. Quecksilber verordneten; die heutige Besorgnis um die Nebenwirkungen gefährlicher (allopathischer) Arzneistoffe ist also durchaus nichts Neues. Die großen Hexenverbrennungen fielen mit dem Aufkommen der Chemotherapie zusammen und wurden sowohl vom Wunsch der etablierten Ärzteschaft angeregt, das Wissen der ?weisen Frauen? zu unterdrücken, als auch vom Bestreben der Kirche, die Häretiker zu vernichten.

Im 18. und 19. Jahrhundert erforschten Chemiker die aktiven Bestandteile von Heilpflanzen und identifizierten viele Stoffe (z.B. Koffein, Chinin, Morphium, Atropin?) diese spielen durchaus eine wichtige Rolle, aber die Suche nach isolierten Wirkstoffen führte dennoch weg von der natürlichen Verwendung der ganzen Pflanze. Die ätherischen Öle wurden nebenher weiterbenutzt; viele blieben bis weit ins 20. Jahrhundert in den amtlichen Arzneibüchern und einige wenige ? wie etwa Lavendel, Pfefferminze und Myrrhe ? werden auch heute noch allgemein in der Pharmazie verwendet. Mehr und mehr wurden sie jedoch durch synthetisch hergestellte Medikamente ersetzt, die zum Großteil als Nebenprodukte der Kohle-Teer-Raffination anfielen. Die Entwicklung beschleunigte sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ? mit den allgemein bekannten katastrophalen Folgen.

Im Fernen Osten, insbesondere in Indien und China, kann die Verwendung von Pflanzen zu Heilzwecken auf eine jahrtausend alte ungebrochenen Tradition zurückblicken  ganz im Gegensatz zu Europa, wo wir ja erst jetzt unser verloren gegangenes Wissen wieder entdecken.

Was sind nun eigentlich ätherische Öle?

Sie werden definiert als duftende, flüchtige Produkte, die mittels physikalischer Verfahren aus Pflanzen einer gewissen Gattung gewonnen werden. Vielfach werden sie als der Teil der Pflanze beschrieben, in der die Seele und die geballte Kraft innewohnt.

Ätherisch heißt "himmlisch", und dieser Begriff zeigt, welche Wertschätzung man diesen Substanzen einst entgegengebrachte. Sie werden auch Essenzen oder Heilkräuteressenzen genannt, denn sie sind das Essentielle der Pflanzen.

Die Duftstoffe sind in verschiedenen Teilen der Pflanze eingelagert. Am wertvollsten und betörendsten sind die

Blütenöle wie Rose, Jasmin oder Ylang Ylang. Man findet sie auch in den
Blättern wie bei Salbei oder Thymian, in der
Wurzel wie bei Vetiver, im
Samen wie bei Angelika, im
Holz wie bei Sandelholz, in der
Rinde wie bei Zimt, im
Harz wie bei Myrrhe oder in der
äußeren Fruchtschale wie bei Zitrone oder Orange.


Die gebräuchlichste Gewinnungsmethode ist die Destillation mit Wasserdampf. Dieses Verfahren liefert nicht nur die beste Ausbeute und reinsten Produkte, sondern man kommt auch auf relativ einfache und billige Weise zum Ziel. In einzelnen Fällen führt die Destillation nicht zum gewünschten Erfolg und zwar dann, wenn die hohe Temperatur des Wasserdampfes empfindliche Riechstoffe zerstört oder die Menge des im Destillationsmaterial enthaltenen Öles relativ gering ist.  Oft sind Blüten nicht für die Wasserdampfdestillation geeignet.

 

Um die Riechstoffe zu gewinnen, wendet man andere Verfahren an, indem man entweder die ätherischen Öle mit flüchtigen Lösungsmitteln, (wie Hexan oder in neuerer Zeit mit Kohlendioxid) oder mit Fett auszieht oder sie von Fett absorbieren lässt. Die Gewinnungsmethode hängt von der Pflanze ab. Man wendet die Extraktion mit flüchtigen Lösungsmitteln im wesentlichen bei Mimose oder Vanille an, während Jasmin oder Tuberose mittels Enfleurage gewonnen werden.

Gewinnungsmethoden im Detail

  • Enfleurage
  • Wasserdampfdestillation
  • Kaltpressung
  • Chemische Lösungsmittel
  • Extraktion durch Kohlendioxid

Enfleurage

Diese wohl älteste Methode zur Gewinnung von ätherischen Ölen beruht auf der Fähigkeit von Fetten oder fetten Ölen, das verduftende Öl der Pflanzenblüten aufzunehmen und festzuhalten. Manche Blüten wie Jasmin produzieren auch im abgeschnittenen Zustand fortlaufen ätherische Öle, sodass die Ausbeute mit diesem Verfahren wesentlich ergiebiger ist. Die empfindlichen, frisch gepflückten Blüten werden in eine ca. 3 mm hohe Fettschicht gedrückt, die wiederum auf eine Glasplatte gestrichen wurde. Je nach Art der Blüte bleiben diese verschieden lange, und zwar bei Jasmin ca. 24 Stunden. Nach dieser Zeit werden die Blüten durch Abklopfen oder mit der Hand entfernt, und die Fettschicht wird neuerlich beladen. Man wiederholt diesen Vorgang ca. 30 mal, bis sich das Fett mit Duftstoffen ganz voll gesogen hat. Mittels Alkohol werden die ätherischen Öle dann dem Fett wieder entzogen und man erhält qualitativ sehr hochwertige Öle.

Wasserdampfdestillation

Bei diesem Verfahren bedient man sich der Tatsache, dass Wasserdampf den Pflanzen die Öltröpfchen entreißt und nach oben trägt. Ein Destillationsapparat besteht aus einem großen zylindrischen Bottich, Alambic genannt, in den die Pflanzen auf einem Rost eingefüllt werden. Der am Boden des Bottichs erzeugte Wasserdampf durchdringt die Pflanzen und befördert ein ätherisches Öl-Wassergemisch nach oben. Der Bottich ist mit einem speziellen Deckel verschlossen. Der sich darunter sammelnde Dampf wird samt Essenz über ein mit Wasser gekühltes, sich verjüngendes Rohr in ein Auffanggefäß geleitet.

 

Das ätherische Öl ist in der Regel leichter als Wasser und schwimmt auf der Oberfläche. Dort wird es entweder abgeschöpft oder mittels einer „Florentinerflasche“ getrennt. Bei der Destillation selbst entscheidet sich in vielen Fällen die Qualität des Endproduktes. Wenn man mit zu hoher Temperatur destilliert, wird zwar die Ausbeute höher, die Qualität jedoch schlechter und rauchiger.

 

Um eine gute Qualität zu erhalten, sollte die Destillation daher langsam vor sich gehen, da nur dadurch gewährleistet ist, das möglichst viele Pflanzenbestandteile in das letztendlich gewonnene ätherische Öl übergehen.

Kaltpressung

Bei den Zitrusfrüchten sind die ätherischen Öle in den Pflanzenschalen abgelagert. Hier werden die Schalen zerkleinert, etwas mit Wasser gemischt und maschinell kalt gepresst. Das Öl-Wassergemisch wird mittels einer Zentrifuge wieder getrennt.

Gewinnung durch Chemische Lösungsmittel

Erst am Anfang dieses Jahrhunderts hat man begonnen, die ätherischen Öle mit Lösungsmitteln aus den Pflanzen zu lösen. Die Pflanzen werden dabei mit Substanzen wie Azeton, Petroläther oder Kohlenwasserstoffderivaten übergossen. Die Trennung erfolgt durch Destillation bei bestimmten Temperaturen, wodurch das Öl kondensiert, das Lösungsmittel aber nicht. Man erhält zuerst das cremeartige Concrete und nach Lösung des Concretes in Alkohol und nach doppelter Filtrierung das relativ wachs- und lösungs-mittelfreie Aslolu. Bei dieser Methode kann jedoch ein Restlösungsmittelgehalt nie ganz ausgeschlossen werden. Für die Aromatherapie sollten besser wasserdampfdestillierte Öle, soweit erhältlich, verwendet werden.

Extraktion durch Kohlendioxid

Diese Methode wurde erst in den letzten Jahren entwickelt. Der Vorteil ist, dass der Prozess bei relativ tiefen Temperaturen stattfindet, die Duftstoffe fast vollständig erhalten bleiben, und das Öl selbst rückstandsfrei ist. Nachteilig ist der erforderliche hohe Druck von ca. 200 bar, der hoch-technische und sehr teure Destillationsapparaturen verlangt. Verbunden damit ist auch ein wesentlich höherer Preis.

Qualitätskriterien

Sauerstoff und Licht in Kontakt mit ätherischen Ölen verringern deren Haltbarkeit. Die Öle werden daher im Regelfall in dunklen Fläschchen mit Tropfer abgefüllt, um den Zutritt von Licht und Sauerstoff zu unterbinden.

 

Andererseits kann man sehr frische, noch unharmonische Öle künstlich altern lassen, indem man das Fläschchen öffnet. Innerhalb weniger Tage verschwindet die Schärfe, und Sie erhalten ein wunderbares Öl.

 

Ist das Öl von Anfang an leicht und charakterlos, wird nie etwas Ordentliches daraus.

Die meisten hochqualitativen Öle halten 4 – 5 Jahre bei richtiger Lagerung (möglichst gleichmäßige Temperatur).

 

Die Farbe und der Geruch der ätherischen Öle kann auch, wetterbedingt, von Jahr zu Jahr leicht schwanken, selbst wenn das Anbaugebiet und der Destillateur gleich sind. Nicht jedes Jahr wird gleich gute Qualität erzeugt, und eine Fehlernte, die immer wieder klimabedingt bei einzelnen Pflanzen passieren kann, treibt den Preis für dieses Öl weltweit sofort in die Höhe.

 

Das wichtigste Kriterium ist das Vertrauen in den Anbieter des ätherischen Öls.

Hinweis für das Wettbewerbsrecht:

Die Lehrmeinung lehnt diese Aussagen zu ätherischen Ölen derzeit noch ab. Die getroffenen Feststellungen beruhen allein auf unseren Erfahrungswerten und aus unseren Erkenntnissen.